Bitkom zu digitalen Währungen: Europa ist “international abgehängt”

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Der deutsche Digitalverband Bitkom fordert die Regierungen und Zentralbanken der Europäischen Union auf, das Tempo bei der Erprobung eines digitalen Zentralbank-Euro auf der Blockchain zu erhöhen. 

Wettlauf um das digitale Geld

In seinem Infopapier „Digitaler Euro auf der Blockchain“ vom 24. April schreibt der Bitkom digitalem Zentralbankgeld (CBDC – Central Bank Digital Currency) das Potenzial zu, das Finanzsystem grundlegend zu verändern. Laut Bitkom droht Europa hier allerdings den Anschluss zu verlieren – besonders im Hinblick auf den Wettbewerb mit China und den USA. 

Facebooks Stablecoin Libra hat einen klaren US-Fokus auf Seite der Betreiberfirmen, während die chinesische Zentralbank ihren Plan für eine digitale Zentralbankwährung mit großen Schritten vorantreibt. Ein weiterer Player ist die Kryptobörse Binance mit ihrer Blockchain-Plattform für Stablecoins – wobei es sich hier um ein internationales Unternehmen mit chinesischen Wurzeln handelt. All diese Projekte bringen sich bereits in Stellung, um den Finanzbereich auf internationaler Ebene zu revolutionieren, wohingegen die Europäer hinterherhinken.

Der “alte Kontinent” befindet sich dabei sowohl im technologischen, als auch im finanziellen Spannungsfeld zwischen den zwei Machtpolen – der USA und China. Deswegen ist Bitkom-Finanzexperte Julian Grigo überzeugt, die Diskussion über die digitale Souveränität Europas und ihre weltweite Führungsrolle beim Zahlungsverkehr sei notwendig. 

“Di­gi­ta­le Wäh­run­gen kön­nen in ei­ner di­gi­ta­len und glo­ba­li­sier­ten Welt zu ei­nem ent­schei­den­den Wett­be­werbs­vor­teil wer­den. Bei Block­chain-An­wen­dun­gen in der Fi­nanz­in­dus­trie liegt ein Rie­sen-Po­ten­zi­al für Eu­ro­pa – die­se Chan­cen müs­sen wir nutzen”.

Mangel an gemeinsamen Grundverständnis 

In der aktuellen Diskussion rund um den digitalen Euro fehlt laut dem Digitalverband Bitkom “ein gemeinsames Grundverständnis”. Der digitale Euro müsse nicht zwingend die Form einer digitalen Zentralbankwährung haben. Alternativ könnte dieser auch durch eine Privatunternehmen emittiert werden und ähnlich wie die geplante Facebook Kryptowährung Libra konzipiert sein. Um die verschiedenen möglichen Lösungswege für einen digitalen Euro aufzuzeigen, grenzt Bitkom in seinem Infopaper die Begriffe Geld, Währung und digitales Zentralbankgeld klar voneinander ab, indem entsprechende Definitionen getroffen werden.

Forderungen nach E-Geld werden lauter

Die Chancen eines digitalen Euros für Politik und Wirtschaft sieht nicht nur der Digitalverband Bitkom. Bundesfinanzminister Scholz, der Bundesverband Deutscher Banken und andere Akteure der deutschen Wirtschaft haben bereits einen solchen digitalen Euro gefordert, der die Automatisierung der deutschen Wirtschaft durch Euro-basierte Smart Contracts vorantreiben soll.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat Ende 2019 angekündigt, eine eigene Task Force zur Analyse einer möglichen Einführung eines digitalen Zentralbank-emittierten Euro einzurichten, und zeigt sich allgemein offen dafür, Bargeld durch digitales Zentralbankgeld abzulösen oder zu ergänzen. 

Die niederländische Zentralbank hält sich auch nicht raus und hat vor kurzem ihre Bereitschaft angekündigt, sich an der Forschung von digitalen Zentralbankwährungen (CBDCs) zu beteiligen und “eine führende Rolle” bei der Entwicklung einer eigenen digitalen Währung sowie einer europaweiten digitalen Währung einzunehmen.  

Die Krise zur Chance machen

Das Zahlungsverhalten der Verbraucher hat sich während der Coronavirus-Pandemie drastisch geändert, insbesondere nach den Warnungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass die Übertragung von COVID-19 über Bargeld möglich ist. Dieser Umstand könnte zusätzlich die Entwicklung einer digitalen Zentralbankwährung in Europa beschleunigen, denn laut einer Einschätzung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) Anfang April können die Zentralbank-Digitalwährungen eine gute Alternative zu Bargeld- und Kartenzahlungen sein.


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