6 Fragen an Philipp Sandner, Leiter des Frankfurt School Blockchain Centers

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Cointelegraph auf Deutsch stellt den wichtigsten Köpfen aus der DACH-Region sechs Fragen über die Krypto- und Blockchain-Branche und weicht zwischendurch vom Thema ab.

In dieser Woche gehen unsere Fragen an Prof. Dr. Philipp Sandner, Wirtschaftswissenschaftler und Leiter des Blockchain Centers der Frankfurt School of Finance & Management. Sandner zählt laut FAZ zu den einflussreichsten Ökonomen Deutschlands. Darüber hinaus ist Sandner an vielen Projekten wie die International Token Standardization Association beteiligt und berät Unternehmen und öffentliche Einrichtungen hinsichtlich ihrer Tätigkeit rund um die Blockchain.

Cointelegraph auf Deutsch: Wie und wann sind Sie zum ersten Mal auf das Thema Blockchain gekommen?

Philipp Sandner: Das erste Mal bin ich 2013 mit der Blockchain-Technologie in Berührung gekommen. Und wie das dann so ist: je mehr man sich einliest und sich mit der technischen Funktionsweise des Bitcoin-Netzwerks beschäftigt, desto mehr durchblickt man die brillante IT-Architektur, die der Technologie unterliegt. Besonders fasziniert mich die Resilienz gegenüber Angriffen jeglicher Art, die die Blockchain-Technologie aufweist. Selbst wenn ganze Rechenknoten aus dem Netzwerk abgeschaltet werden, wie beispielsweise im Juni durch das Mining-Verbot Chinas, wird die technische Funktionsweise von Bitcoin nicht beeinträchtigt. Das ist schon sehr beeindruckend.

Daher kommt auch meine stetige Zuversicht in Bezug auf Krypto-Werte: die langfristig gesehen positive Entwicklung des Bitcoin ergibt einfach Sinn!

CT: Was ist der innovativste Anwendungsfall für Blockchain, den Sie je gesehen haben? Es muss nicht unbedingt der sein, der am ehesten Erfolg hat…

Philipp Sandner: Tatsächlich sind für mich in diesem Fall Bitcoin und Ethereum die zur Zeit erfolgreichsten Projekte. Sie sind auch die innovativsten Anwendungsfälle.

Decentralized Finance (DeFi) wird immer wichtiger. Insbesondere Ethereum-basierte DeFi-Anwendungen bilden ein ganz neues Finanz-Ökosystem, da sie Börsen, Kredite und andere Finanzinstrumente vollständig digital und vollautomatisch abbilden können. Hier entsteht eine echte Alternative zu Kapitalmärkten, wie wir sie bisher verstanden haben. Mit neuen Finanzstrukturen, die für mehr Transparenz und Offenheit stehen können.

Mit der Kryptowährung Bitcoin wurde eine neue Anlageklasse geschaffen, mit dem Potenzial, eine langfristige Absicherung gegen die zur Zeit schnell steigende Inflation zu sein, da die Kryptowährung auf 21 Millionen Token begrenzt ist. Egal, was auf dem Markt passiert, ich bin immer noch vollkommen überzeugt von Bitcoin und der Technologie einiger anderer Krypto-Assets. Aus technischer Sicht lässt sich Bitcoin von all den Turbulenzen nicht beirren. Weiterhin bildet sich alle zehn Minuten ein neuer Block. Es ist egal, ob es stürmt und schneit. Das muss man bedenken: Mit Bitcoin ist ein System geschaffen worden, das nie wieder ausgelöscht werden kann. Es bedeutet auch, dass Bitcoin immer noch funktionieren wird, wenn ich in 30 Jahren in Rente gehe. Kaum vorstellbar, aber gerade das macht den Reiz dieser Technologie aus. 

CT: Was ist die größte Hürde auf dem Weg zu einer breiten Akzeptanz der Blockchain-Technologie?

Philipp Sandner: Aus meiner Sicht ist die Aus- und Weiterbildung ganz wichtig. Hierfür gibt es jedoch kaum Budgets. Ohne ein Grundverständnis der Wirtschaftsinformatik fehlt oft die Fähigkeit, die Technologie richtig verstehen zu können. An Lernstoff ist alles auf Youtube und anderen Plattformen kostenlos verfügbar. Ich habe aber das Gefühl, dass die Leute zwar den Willen haben, die Technologie zu verstehen – auch weil sie merken, dass Blockchain uns in der Zukunft immer mehr beschäftigen wird – es aber bei der Umsetzung hapert. 

Geführte Programme, wie zum Beispiel die von dem Frankfurt School Blockchain Center angebotenen “DLT Talents”, “DeFi Talents” und “NFT Talents”, haben aber das Potential, diese Wissenslücke zu schließen. Die Programme legen ihren Fokus auf eigenständiges Lernen und helfen den Teilnehmenden, ein Netzwerk an Gleichgesinnten aufzubauen. Wir sehen an dem steigenden Interesse von Teilnehmenden, sowie unseren Partnerunternehmen, dass diese Programme toll funktionieren.

Es gibt auch faszinierende Startups, die sich mit der Ausbildung beschäftigen. Ekolance, zum Beispiel, bildet hunderte junger Leute in Afrika aus, damit diese nicht nur die Technologie verstehen, sondern im Bereich “Community Management” auch direkt einen Job bekommen können. Das Ökosystem wächst unaufhörlich.

CT: Welches Problem könnte Ihrer Meinung nach mit Blockchain gelöst werden, wurde aber noch nicht in Angriff genommen?

Philipp Sandner: Meistens wird die Blockchain-Technologie mit Krypto-Assets in Verbindung gebracht. Die Blockchain-Technologie bietet zusätzlich aber auch ganz tolle soziale Anwendungen, die leider oft übersehen werden. Zum Beispiel können Personen aus Ländern, deren Währung unter Hyperinflation leidet, Krypto-Assets als ihre Haupteinkommensquelle nutzen. Wenn Unternehmen die Blockchain-Technologie nutzen, um ihre Mitarbeiter in Kryptowährungen wie Bitcoin, Ether und Stablecoins zu bezahlen, stellt dies eine kostengünstige Alternative zu herkömmlichen internationalen Geldtransfers dar und bietet eine bessere finanzielle Sicherheit für Bürgerinnen und Bürger jener Länder. Basenode ist ein solches Startup: Die kleine Berliner Firma beschäftigt auch Programmierer in Nigeria. Diese werden mittels des US-Dollar-Stablecoins auf Ethereum-Basis bezahlt.

Zudem ergibt sich für Arbeitgeber dadurch der Zugang zu einem wesentlich größeren Talentpool mit einer Vielfalt an Kulturen und Perspektiven. Beispielsweise können auch Talente in sanktionierten Ländern mit volatilen oder inflationierenden lokalen Währungen eingestellt und beschäftigt werden. Den Menschen vor Ort hilft das. Die Geschwindigkeit und die geringen Gebühren, die Krypto-Assets bieten, können das Arbeiten über Grenzen hinweg bequemer machen und schlichtweg effizientere Märkte erschaffen.

CT: Wenn Sie keinen Schlaf brauchen, was würden Sie dann mit der zusätzlichen Zeit anfangen?

Philipp Sandner: Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich gerne wieder mehr programmieren. Ich habe BWL mit dem Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik studiert und war schon immer an Technik interessiert. So kam ich in meiner Freizeit damals auch auf das Thema Blockchain-Technologie. Mit der Gründung des Frankfurt School Blockchain Centers konnte ich diese Interessen zu meinem Beruf machen. Mit der steigenden Nachfrage an unserem Forschungszentrum gibt es natürlich immer sehr viel zu tun. Die Arbeit macht mir jedoch sehr viel Spaß und ich möchte nichts davon missen! Nur das Programmieren und Analysieren von Daten, was ich früher intensiv gemacht habe, fehlt mir ein wenig.

CT: Welches Buch hat Sie am meisten beeinflusst und warum?

Philipp Sandner: Mich hat das Buch “Die große Inflation: Als Deutschland wirklich pleite war” von Georg von Wallwitz sehr beeinflusst. Der Grund hierfür: das Buch hat mir geholfen, Inflation richtig zu verstehen und zu begreifen, was im Rahmen einer Inflation gesellschaftlich alles passieren kann. Ich habe dadurch gelernt, dass die Welt nicht untergeht, und dass 1922/1923 die Situation vermutlich viel schlimmer war, als es heutzutage noch kommen könnte. Gerade da uns das Thema mit den derzeit steigenden Inflationsraten stark betrifft, kann ich diese Lektüre jedermann und -frau wärmstens empfehlen. 


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